Augenkoordination
Probleme mit der Augenkoordination treten häufig gemeinsam mit Fehlsichtigkeiten auf. Bei der Altersweitsichtigkeit ist eine gestörte Koordination der Augen häufig vorhanden. Auch kurzsichtige Menschen mit größerem Unterschied in der Dioptrie beider Augen haben oft Probleme mit der Augenkoordination.
Unzureichende Augenkoordination führt zu schnellen Ermüdung des visuellen Systems und Verschlechterung der Sehkraft.
Erkennungsmerkmale
Typische Hinweise für die unzureichende Augenkoordination sind: Schwierigkeiten beim räumlichen Sehen/die Wahrnehmung der Tiefe, ungenaue Einschätzung der Objektentfernungen, verschwommenes oder doppeltes Sehen sowie schnelle Ermüdung beim Lesen. Wenn die Augen schmerzen, der Text „wandert“ oder sich nach kurzer Zeit anstrengend anfühlt, kann das auf einen verschobenen Konvergenzpunkt hindeuten – also darauf, dass beide Augen zusammen, nicht exakt ein Objekt fixieren.
Augenkoordination und Raumwahrnehmung
Die Augenkoordination sorgt dafür, dass beide Augen ein Objekt – unabhängig von seiner Entfernung oder Bewegung – präzise erfassen können. Beim Blick in die Ferne richten sich die Augen nahezu parallel aus, beim Blicken in die Nähe drehen sie sich leicht nach innen.
Dieses Zusammenspiel der Augen, die sog. Konvergenz, ermöglicht dem Gehirn, die Einzelbilder beider Augen zu einem dreidimensionalen Eindruck zu verschmelzen/Fusion. So entsteht die Tiefen- oder Raumwahrnehmung – wir können unmittelbar erkennen, ob sich ein Objekt nah oder weit von uns entfernt befindet.
Trotz ihrer zentralen Bedeutung wird die Augenkoordination selten überprüft. Bleibt sie unerkannt, wird sie entsprechend auch nicht gezielt behandelt.
Das Sehen und die Bewegung
Das Sehen und die Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden. Nur wenn visuelle Informationen präzise aufgenommen und verarbeitet werden, können Bewegungen gezielt, sicher und koordiniert ausgeführt werden. Bereits leichte Einschränkungen – etwa unscharfes Sehen, verminderte Kontrastwahrnehmung oder eine reduzierte Tiefenwahrnehmung – wirken sich unmittelbar auf die Bewegungsqualität aus.
Auch nicht korrigierte Fehlsichtigkeit oder Störungen des beidäugigen Sehens beeinträchtigen die Fähigkeit, Distanzen zuverlässig einzuschätzen. Das Resultat ist häufig ein erhöhter Kraft- oder Konzentrationsaufwand bei motorischen Aufgaben.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang im höheren Alter. Gutes Sehen trägt wesentlich zur Selbstständigkeit und Sturzprävention bei.
Augen-Hand Koordination
Verbessert sich die Koordinationsfähigkeit, profitiert davon das Sehen. Die Augen-Hand-Koordination bildet dabei eine Schlüsselkompetenz. Sie entwickelt sich früh und begleitet den Menschen ein Leben lang. Ob beim Greifen, Schreiben, Sporttreiben oder bei feinmotorischen Tätigkeiten – stets arbeiten visuelle Wahrnehmung und motorische Steuerung eng zusammen.
Sehtraining und Augenkoordination
Im Sehtraining werden Augenübungen zur Stärkung der Konvergenz der Augen und der Fusionsfähigkeit des Gehirns eingesetzt. Darüber hinaus werden auch visuell-motorische Bewegungen geübt, da sie mehrere Systeme gleichzeitig ansprechen.
Ein wirksames Koordinationstraining stärkt:
- Den Gleichgewichtssinn / Durch das Üben des Stehens auf einem Bein wird das visuelle System intensiv trainiert.
- Die Propriozeption / Das Gespür für die eigene Körperposition und -bewegung im Raum stärkt das dreidimensionale Sehen.
- Die neuronale rechts-links Gehirnvernetzung / Durch Bewegungsabläufe, bei denen Arme und Beine überkreuzt geführt werden, wird das Gehirn in der Fusion der Bilder beider Augen unterstützt.
Dieser ganzheitliche Trainingsansatz fördert die Verbindung zwischen dem visuellen System, dem Gehirn und dem Körper. Das verbessert die Konvergenz der Augen, das räumliche Sehen und die Fusionsfähigkeit des Gehirns.